Chaos (?) Communication Congress - pt. 4/4

Von Loona. Veröffentlicht in computerszene, home story am Sonntag den 20. Januar 2008.

[Dies ist der vierte Teil meines Berichts vom 24C3. Den dritten Teil findest Du hier, den zweiten Teil hier und den ersten Teil hier.]

Web of Mistrust pt. 2

Das Ende vom Lied war dann daß St1s Bändchen tatsächlich nicht mehr abgegeben wurde. Als er dann gegen Abend den Kongress verließ versuchten Wonko und er noch mal mit den CCClern zu sprechen, ob St1 nicht vielleicht ein Ersatz-Bändchen bekommen könnte. Aber das wurde abgelehnt mit der Begründung, da könne ja jeder kommen. Auch als Wonko sich als Zeuge erbat und anbot noch ein halbes Dutzend andere Zeugen zu holen wurde das mit “Ja, da könnte ja jeder kommen und ein paar Freunde organisieren…” abgebügelt. — Ich meine: Es ist ja ganz sympathisch wenn jemand eine Begabung zum paranoiden Denken hat, und es hilft sicher auch ungemein beim Design von Computer-Netzwerken und sicherer Software… Aaaaber: Wie realistisch ist denn so ein Szenario tatsächlich? - Ist denn nur noch so wenig echter Trust in der Szene vorhanden?

Am Ausgang findet sich denn auch noch ein Schild Zettel des Inhalts dass jederzeit jeder gefilzt werden kann, der das Gebäude verläßt. Gleich daneben sind noch einige andere Zettel angebracht, die klar ironisch gemeint sind. Ich frage daher einen daneben stehenden Menschen mit Orga-Clip ob das mit den spontanen Durchsuchungen so richtig ernst gemeint sei. Er fragt nur zurück: “Ja wieso denn nicht?” Ich sage: “Keine Ahnung. Ich wollte nur mal nachfragen.” Er: “Ich stehe hier nur.” Ich: “O.K.”

Viel genutzt zu haben scheint die Überwachung allerdings nicht. Zumindest am Ende des vierten Tages finden sich plötzlich doch recht viele Menschen ohne Bändchen im Gebäude. Unter anderem wird einer von einem der Schlossöffner beim Versuch ertappt ein Notebook zu klauen. Ein alter Bekannter: Er war wohl schon letztes Jahr am Ende des Kongresses herumgeschlichen und hatte nach Notebooks gesucht.

O temporæ!

Auch gleich am ersten Tag gab es den Vortrag VX - The Virus Underground, in dem es um das Schreiben von Viren als Kunstform ging. Auch diesen habe ich mir nur per Stream vom Sofa aus angesehen. Ein junger Virus-Coder namens SkyOut berichtete aus der Szene der Virus-Autoren. Er selbst zählt sich dabei ganz klar zu den White Hat VXern. D.h. er veröffentlich zwar Virus-Sourcecode, würde jedoch niemals ein Virus in die freie Wildbahn entlassen.

Es geht ihm analog zum White Hat-Hacker rein um die Herausforderung ein (theoretisch) funktionierendes Virus zu schreiben, und so Sicherheitslücken aufzudecken und sein Können zu beweisen. — Manche Reaktionen auf den Vortrag - vor allem die von wohl amerikanischen native speakers - waren ziemlich heftig. Ein paar Leute schienen die Analogie zur full disclosure von Sicherheitslücken beim Hacking echt nicht zu raffen, oder nicht raffen zu wollen.

Der arme Junge wurde regelrecht angefeindet. Worte wie “hypocritical organised crime” fielen. Einer der Fragesteller entblödete sich echt nicht zu fragen warum sie [die VXer] denn nicht ein großes Porno-Ding mit der russischen Mafia durchziehen würden? — Was das eine mit dem anderen zu tun hat wird wohl sein Geheimnis bleiben müssen. Kurz: Er wurde wie ein Krimineller behandelt. Der Göttin sei Dank nicht von allen. Ich habe ihm dann am nächsten Tag noch mal gesagt, daß ich das unmöglich von diesen Leuten fand. Wer mag kann sich’s ja noch mal selbst auf Video ansehen.

O mores!

Irgendwie habe ich eh den Eindruck daß es zu meiner aktiven “Hacker”-Zeit noch keine so ausgeprägte Trennung zwischen “White Hat” und “Black Hat” Hackern gab. Ich war mir da zeitweise nicht mehr sicher, vor allem als Julius Mittenzwei im TOR-Vortrag auch noch sagte, dass der CCC ja “keine Straftaten decken” wolle, oder so ähnlich. Das war ein erneuter Reality-Check für mich.

Aber unter anderem die Lektüre des Phrasenprüfers, eines der Bücher die ich mir dieses Jahr vom Büchertisch mitgenommen habe, hat mich dann doch wieder darin bestätigt, daß durchaus auch unter den Gründungs- und Führungspersönlichkeiten des CCC das Thema Verbreiten von Viren — und das nicht nur in Sourcecode-Form — zumindest offen diskutiert wurde. Das Buch “Schockwellenreiter” in dem es um eine durch Großrechner-Viren hervorgebrachte gerechte Weltordnung geht, war in der hamburger Anfangszeit des CCC ein Kultbuch.

Ich habe dann noch mal recherchiert, was der CCC so von sich gegeben hat als ich noch “aktiv” war… Und da fiel mir die Datenschleuder #36 von 1991 in die Hände. Das tat mir richtig gut. Nicht nur daß da minutiös drinnen steht wie man mit BlueBoxen illegal kostenlos telefoniert, nein auf Seite 2 gibt Andy auch noch eine Ermahnung zur Vorsicht beim Kreditkartenbetrug.

Kurz: Es wird auf der einen Seite immer legalistischer geredet, aber es wird einem auf der anderen bei jeder Gelegenheit pauschal kriminelle Energie unterstellt (z.B. Bändchen).

Was ist passiert?

Hat man am Ende irgendwann die eigene Propaganda vom rein altruistischen, legalistischen Hacker geschluckt? - Dazu noch mal ein paar offene Worte von Reinhard Schrutzki im Phrasenprüfer, S.74: “Niemand, den ich kenne, hat sich hingesetzt und gesagt, ich suche jetzt Sicherheitslücken, um die Betreiber zu warnen. Nada - hat’s nie gegeben. Das sagt man eventuell, um es letztendlich so darzustellen.”

Fazit

Es war dann insgesamt doch noch ein angenehmer Kongress. Insgesamt eine gute Erfahrung. Es war kein Vortrag dabei bei dem ich gesagt hätte: “Wow! Das hat sich jetzt echt gelohnt!”, aber insgesamt doch viele interessante Veranstaltungen. Weniger freakig, weniger bunt und ungemütlicher schien es mir insgesamt. Wohin der CCC driftet wird sich zeigen. Legalistische Bürgerrechtsvereinigung, oder vielleicht irgendwann in Zukunft doch wieder die Stimme des Undergrounds der Datenreisenden?

So long…

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Chaos (?) Communication Congress - pt. 3/4

Von Loona. Veröffentlicht in computerszene, home story am Samstag den 19. Januar 2008.

[Dies ist der dritte Teil meines Berichts vom 24C3. Den zweiten Teil findest Du hier und den ersten Teil findest Du hier.]

“Das Haus” und der Hund, pt. 3

…wenige Minuten Später sind sie wieder da. Und sie haben BugBlue im Schlepptau. Dieser stellt sich mir nicht vor, macht aber ebenfalls klar, daß ich gehen soll. Ich sage daß man mir gesagt hat daß es für diesen Abend noch in Ordnung sei, versuche die anderen Argumente vorzubringen, aber es nützt nichts. Er hört wohl nicht mal richtig zu. Das von mehreren vorgebrachte Argument dass es letztes Jahr ja aber noch Hunde gegeben hätte wird schlicht ignoriert. Die Frage danach wer wann und warum die Änderung beschlossen hat, dementsprechend ebenfalls.

Wir versuchen unsere Situation zu schildern, die durch das unerwartete Hundeverbot ganz schön bescheuert ist: In einer fremdem Stadt mit einem jungen Hund, der es überhaupt nicht gewöhnt ist auch nur wenige Minuten alleine zu sein. Keine echte Reaktion. Bedauern, aber man könne nun mal nichts machen. Ich glaube er hat sich überhaupt nicht mit der Situation beschäftigen wollen, hatte kein Bestreben eine kreative Lösung zu finden. Ganz ordentlich un-chaotisch finde ich so was. Ich fühle mich ohnmächtig und wütend. Sie sollten doch nächstes Jahr lieber einen Order Communication Congress veranstalten rate ich BugBlue. Das scheint ihn dann doch irgendwie zu treffen. Er sagt nein, das werde nicht so sein, und es gäbe ja nach wie vor “genug Chaos” beim Congress.

Aber alles Zetern hilft nichts, und wir ziehen tatsächlich ab. Unter den ungläubigen und enttäuschten Blicken der Umstehenden. — Woher wir denn hätten wissen sollen, dass dieses Jahr plötzlich ein Tierverbot herrsche will ich zum Schluss noch wissen? - Das könne er uns auch nicht sagen, aber man könne ja schließlich auch nicht alles ins Wiki schreiben, was auf dem CCCongress nicht erlaubt sei.

Beim Hinausgehen nehme ich mir vom CCC-Stand noch einen Sticker mit der Ausfschrift “Alles ist verboten, was nicht erlaubt ist. Mit TCPA und DRM ins Internetzeitalter? Chaos Computer Club https://www.ccc.de/digital-rights/ - “Danke, gut daß man es mir noch mal so klar gemacht hat”, denke ich mir. - Ich hatte bisher gedacht, das sei kritisch gemeint, und nichts was man in den eigenen Strukturen kopieren will.

Draußen vor der Tür

Meine Stimmung war wieder ziemlich im Keller.

Anstatt einem coolen Congress-Erlebnis, auf das wir uns so gefreut hatten, standen uns jetzt fünf emotional und logistisch doch ziemlich stressige Tage bevor.

Glücklicher Weise hatte Wonko schon die Schlüssel zur Wohung unserer lieben Gastgeber bekommen, sodass wir wenigstens nicht einfach nur draußen vor dem bcc herumstehen mussten wie bestellt und nicht abgeholt.

Ich will hier gar nicht viel dazu schreiben wie stressig es war immer eine Lösung für Nina finden zu müssen, und wie viel Herzblut es mich gekostet hat die Kleine so oft so lange allein zu lassen. Aber oft sind wir dann halt auch einfach daheim geblieben und haben die Streams angesehen. (Danke Fefe an die FeM-er!) Aber an eine reguläre Teilnahme am Kongressgeschehen und ein richtiges Eintauchen in die Athmosphäre war leider nicht zu denken.

Leider habe ich deshalb neben vielen anderen interessanten Dingen auch Daniels Vortrag zum Thema “STASI 0.5beta - Populäre Irrtümer über die Gesellschaft” verpasst, den er in der c-base gehalten hat, und von dem es leider auch kein Video gibt. Dankenswerter Weise hat plomplom eine Zusammenfassung veröffentlicht. Auch verpasst habe ich am ersten Tag den Rose White-Vortrag “The Role of Brilliant Deviants in the Liberalization of Society - How People Like Us Make People Like Them Accept Us”. Auf diesen Beitrag hatte ich mich am meisten gefreut. Ich war noch “daheim” mit meinem Hund, und wußte auch noch nichts von den live-Streams. Leider scheinen alle Aufzeichnungen dieses Vortrags die ich finden kann am Anfang abgeschnitten zu sein. Wenn jemand eine vollständige Version hat (gerne auch audio only): Bitte bei mir melden Aber es gibt glücklicher Weise eine vollständige Video-Aufzeichnung im Netz.

Was sonst noch so war

Es gab dieses Jahr leider keine Ausgabe meiner geliebten fnord-Jahresrückblicke von Fefe und Frank Rieger, denn es gibt Menschen, die den Stil nicht mögen, uns alle möglichen Untaten gegen Political Correctness und geheiligte Mainstream-Wahrheit vorwerfen oder die marxistisch-populistische Tiefe der Analyse vermissen. Oh.

Was auffällt ist daß es dieses Jahr sehr viel mehr Frauen auf dem CCCongress gibt als noch vor zwei Jahren. Aber es sind immer noch im Bereich von ~<10% der TeilnehmerInnen.

Geek sein wird auch irgendwie schick, habe ich den Eindruck. Wegen Web 2.0 und der Blogosphäre, vermutlich. Was weiß ich. Das Publikum hat sich deutlich geändert. Und der Kongress ist diesmal doch deutlich politisch ausgerichtet. Weniger “Spass am Gerät”, mehr “Hacker zu Wahlhelfern!”.

Ansonsten fällt mir auf daß - auch in Vorträgen - erstaunlich oft von “wir Hacker” gesprochen wird. Irre ich mich, oder war das früher nicht eher unüblich…?

Web of Mistrust

Am zweiten Tag verliert St1 sein für vier Tage gültiges Eintritts-Bändchen. Irgendwie hatten sie es am Eingang nicht richtig zugeknipst. Vielleicht weil er Linkshänder ist. Was weiß ich… Das Bändchen saß also locker, und er machte einen Knoten hinein damit es trotzdem hielt. Irgendwann ist es dann wohl doch einfach vom Handgelenk geglitten.

Also auf zum CCC-Infostand, wo es auch eine Art Fundbüro gibt. Aber bei denen wurde noch kein Bändchen abgegeben. Und sie glauben auch nicht, daß es noch abgegeben würde. Denn schließlich sei das ja bares Geld wert. Das würde ja wohl ganz klar jeder für sich behalten. Ich frage mich langsam, auf was für einer Veranstaltung ich hier eigentlich bin. Ich dachte ich sei hier unter einem Haufen ethisch motivierter Hacker und der Avantgarde einer neuen Bürgerrechtsbewegung. Aber die Organisatoren des 24C3 scheinen das anders zu sehen. Für die sind die Besucher anscheinend per default eher egoistische Kriminelle.

Aber was die Bändchen angeht waren sie diesmal anscheinend echt paranoid. Kulla bemerkt dazu in seinem Blog-Beitag ‘Kontrolle und Loslassen‘: “Schon seltsam, daß mir ausgerechnet auf einer Großveranstaltung mit allerlei Alarmismus bezüglich der drohenden oder bestehenden Kontrollgesellschaft zum ersten mal ever jemand beim Rausgehen das Bändchen kontrolliert hat und mir dazu auch noch extra nachgelaufen kam.”

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Chaos (?) Communication Congress - pt. 2/4

Von Loona. Veröffentlicht in computerszene, home story am Freitag den 18. Januar 2008.

[Dies ist der zweite Teil meines Berichts vom 24C3. Den ersten Teil findest Du hier.]

Ich taue auf

Da am Bücherstand noch niemand eingetroffen war legte ich dort erst mal unser Gepäck ab und lief dann erst mal im Gebäude umher, guckte mir alles an und unterhielt mich mit Bekannten und Unbekannten. Meine Laune veränderte sich langsam von schwarz-depressiv zu nur noch ängstlich-und-schlechter-Stimmung. Wow! :-)

Gleich neben dem Bücherstand befand sich der Stand von Johannes vom Fluss und den Schlossöffnern von der Kunstsportgruppe Umgehungstechnik. Mit denen bin ich dann ziemlich schnell ins Gespräch gekommen. Sie boten einen Workshop an bei dem man lernen konnte sich seine Lockpicking-Tools selbst herzustellen.

Aber irgend etwas ist diesmal anders. Ach ja. Genau. Das hier ist das Refugium der Lockpicker, und es wird so gut wie gar nicht geraucht. Und wenn, dann verschämt unter’m Tisch, und in den Papp-Kaffeebecher geascht. — Ohjeh. — Das ganze Elend dieses Bildes kann man wahrscheinlich nur ermessen wenn man mal bei einer deutschen Meisterschaft im Schloßöffnen dabei gewesen ist und live beaobachten konnte wie sich im Körper eines der Meister THC- und Nikotin-Moleküle quasi direkt in Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen verwandelten… — Den Leuten fehlte doch ganz eindeutig ihr Brennstoff!

Ich meine, ich rauche ja selber nicht mehr, und ich finde es auch überhaupt nicht soo klasse, wenn es in öffentlichen Räumen total verqualmt ist, aber dennoch: Dieses Bild schien mir einfach nicht richtig. Eine etwas Chaos-konformere Lösung hätte mir da doch sehr gefallen. So nach dem Motto:

Hallo liebe Raucher und Barzer!
Bitte denkt daran, daß Rauch für Nichtraucher störend und schädlich ist. Raucht bitte nach Möglichkeit draußen!
Diskordianischen Dank für Euer Verständnis und Eure Rücksicht!

Ich finde wenn jemand etwas zum Kongress beiträgt sollte er an seinem eigenen Workshop-Stand schon noch mal eine rauchen dürfen, ohne Angst vor Securities haben zu müssen. — Klassisch wird zur Umgehung der Prohibition auf Ersatzdrogen umgestiegen. In diesem Fall Alkohol, was sich im Laufe der nächsten Tage unangenehm bemerkbar macht. Ich kaufe mir später “After Prohibition” an Daniels Bücherstand.

Viehmarken

Inzwischen haben wir auch das Anmelde-Prozedere hinter uns. Leider gab es dieses Jahr - wie wohl auch letztes Jahr schon - keine Kongress-Ausweise zum Umhängen oder anclipsen mehr, sondern solche verplombten Armbändchen, wie sie wohl auch bei manchen Massen-Popmusik-Festivals üblich sind. Irgendwie komme ich mir ein Bißchen vor wie ein Stück Vieh mit einer “Ohrmarke” am Handgelenk, und nicht unbedingt wie ein geschätzter Kongressteilnehmer. Herrjeh… Wenn ich nachdenke gab es am 19C3 für jeden Besucher noch eine gültige Ernennungurkunde zum Papst zum Eintritt gratis dazu! O temporæ, o mores!

Außerdem hat man so jetzt keinen lustigen Namens-Anstecker mehr mit dem man auf dem Kongress gleich Leute in 3D erkennt, die man bisher nur online kannte… und den man sich hinterher daheim stolz ans Pinboard hängen kann. Fast noch mehr geschockt war ich dann aber von dem fürstlichen Eintrittspreis von 80€ für die vier-Tages-Option.

Sesam öffne Dich!

Wonko und ich schlendern nun also gemeinsam mit Nina durch das Gebäude, gucken uns alles an was schon steht. Wir reden mit zwei jungen berliner Chaos-Aktiven, die gerade im Keller eine Raucher- und Chillout-Area mit DJ-Pult, Sofas und flachen Tischen aufbauen.

Wieder bei den Schlossöffnern beginne ich mich richtig wohl zu fühlen. Da mir erst unlängst beim Versuch meine Gartenhaus-Tür zu picken ein Tool abgebrochen ist ergreife ich die Gelegenheit und beginne unter der Anleitung einer charmanten Schlossöffnerin mit dem Nachfeilen. Meine Ängstlichkeit weicht einem ernsthaften Anflug von Lebensfreude. Ja, ich fühle mich lebendig.

Und meine kleine Nina wurde auch allgemein für süß befunden. Viele Leute lächeln uns an, als sie den kleinen frechen Hund spielen sehen.

Daniel Kulla und Oona kommen dann auch an und bringen Kisten voller Bücher, Pamphlete und “Anti-Pali-Tücher” mit, ebenso Harko. Andrej trudelt samt neuer Freundin ein und weitere Freunde und Bekannte, die man Monate bis Jahre nicht mehr in 3D gesehen hat werden begrüßt und umarmt. Der Bücherstand wird in Beschlag genommen. Ich gehe wieder zu ‘meinen’ Schlossöffnern und feile weiter an meinem Tool.

Zwischendrin frage ich Daniel ob er als Standbetreiber und Vortragender nicht irgendwie ein gutes Wort für mich und Nina bei den Verantwortlichen einlegen könnte, sodaß sie vielleicht dieses Jahr doch noch dabei sein könnte. Da sie sich ja eigentlich die ganze Zeit über, notfalls auch angeleint, hinter dem Stand hätte aufhalten können wäre sie auch niemandem im Weg umgegangen. Daniel unterstützt mein Vorhaben. Es wird beschlossen bei nächster Gelegenheit jemanden von der Orga in der Hundefrage anzusprechen.

“Das Haus” und der Hund, pt. 2

Als ich da also gerade selig beim Pick-Feilen bin kommt jemand von der Kasse daher und meint er sei geschickt worden mir jetzt endlich ein Ticket zu verkaufen. Er wirkt gehetzt und er scheint sich irgendwie dafür entschuldigen zu wollen, daß er das jetzt machen muß. Ich erkläre ihm daß ich schon längst ein Ticket habe und zeige ihm meine Viehmarke.

Kurz darauf kommt B.E.S.T. Security und bittet uns “das Haus jetzt bitte zu verlassen”, des Hundes wegen. Wir fragen nach wer das denn eigentlich angeordnet habe, in der Hoffnung mit diesem jemand noch mal sprechen zu können.Viele der Anwesenden erinnern sich nämlich daran dass es letztes Jahr noch Hunde auf dem CCCongress gegeben hatte. Daniel Kulla erinnert sich z.B. daran noch im letzten Jahr eine Trinkschüssel für Hunde am Bücherstand aufgestellt gehabt zu haben, die auch frequentiert wurde. Als Antwort bekommen wir erst mal immer wieder zu hören: “Das hat ‘das Haus’ so beschlossen”. Ich frage leicht amüsiert wie das denn wohl sein könne, daß das Haus das festlege. Es wird gemutmaßt, ob das Haus eine künstliche Intelligenz sei die das Hundeverbot erlassen habe. Und Kulla fragte: “Hat das Haus a mind of its own?”

Welche Personen das denn beschlossen hätten wollen wir wissen. - Die Geschäftsleitung des berliner congress center bcc. - Und wann denn dieser Beschluß erfolgt sei? — Das sei schon immer so gewesen. - Und wie es dann sein könne, daß es in den letzten Jahren Hunde auf dem Kongress erlaubt gewesen seien? — Es wird aber argumentiert daß dieser Hund an sich zwar überhaupt kein Problem darstelle, aber man ihn mir aus Gerechtigkeitsgründen nicht lassen könne, denn was solle man denn dann den anderen Hundebesitzern sagen, die größere und gefährlichere Hunde mitbrächten. - Auch so eine Art Logik, die ich auf ‘nem CCC irgendwie als allerletztes erwartet hätte. Aber noch war die Hoffnung da, daß das ganze generelle Hundeverbot sich irgendwie doch noch als eine Art Irrtum herausstellen würde, und daß man eine unbürokratische Lösung finden könnte.

Tatsächlich hätten sie schon einen Collie-Besitzer mit seinem Hund wieder nach Hause geschickt. Und dieser habe sich nun beschwert, warum wir dürften, was er nicht dürfe. Warum der Collie nun so schlimm war wurde nicht erklärt. Und Sie erklären uns daß “das Haus” standardmäßig ein komplettes Tierverbot für alle Veranstaltungen erlassen hat. Daß es aber die Möglichkeit gäbe daß der Veranstalter (d.h. in diesem Fall also wohl die Chaos Veranstaltungs GmbH oder der CCC) dieses Verbot ausnahmsweise außer Kraft setzen könne. Die Hoffnung wächst, daß sich noch etwas machen läßt.

Sie zogen erst mal ab. Jedoch…

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Chaos (?) Communication Congress - pt. 1/4

Von Loona. Veröffentlicht in computerszene, home story am Donnerstag den 17. Januar 2008.

Hier will ich etwas verspätet meine Eindrücke vom 24C3, also vom 24. Chaos Communication Congress berichten. Der fand nämlich auch dieses Jahr wieder “zwischen den Jahren” in Berlin am Alexanderplatz zu Füssen des (Ost-)Fernsehturms mit einem umfangreichen Programm statt. Da das etwas umfangreicher ausfällt habe ich es in mehreren Teilen getan.

Vom 27. bis zum 30.12.2007, also vier Tage, dauerte diesmal das bundesweite Jahrestreffen des Chaos Computer Club. Dort gab es unter anderem an die 100 Vorträge zu Computer- und Gesellschaftsthemen, das traditionelle HackCenter, und zwei “Lounges” zum abhängen. Nachdem wir es letztes Jahr vor lauter Streß nicht zum CCCongress geschafft haben waren wir dieses Jahr wieder dabei.

Ich hatte mich schon Wochen vorher sehr darauf gefreut, das Programm studiert und mich auf dem einen oder anderen Vortrag vorbereitet.

Meine Gesamtstimmungslage war die letzten Wochen wie das Wetter ziemlich dunkel gewesen. Dicke, schwarze Depression und Ängste vom Feinsten… Nicht nur das Wetter war mir auf die Stimmung geschlagen, vor allem die politische Großwetterlage der letzten Monate mit Paranoia-Themen wie Vorratsdatenspeicherung, Flugpassagierdaten-Retention, u.s.w. hatte mich beeinflußt.

Anreise

Diesmal waren wir schlau, und kamen schon am Vortag, dem 26.12., damit wir nicht wieder so lange Schlange stehen müssten. Als wir am Congress-Center ankamen mussten wir feststellen daß diese glorreiche Idee diesmal wohl richtig viele Leute gehabt hatten: Die Schlange reichte fast durch’s ganze Erdgeschoß. Tapfer stellten wir uns an. Das heißt: Wonko stellte sich an, und ich erforschte schon mal ein Bißchen das Congress-Gebäude und kehrte immer wieder zu ihm zurück um zu sehen wie weit er in der Zwischenzeit voran gekommen war und ihm von meinen Erlebnissen zu erzählen.

Eine Stunde lang in der Schlange zu stehen wäre für meinen kleinen Hund Nina dann wohl auch zu viel gewesen. Wir hatten Nina dieses Jahr mit zum Congress gebracht. — Nicht allerdings ohne im Umfeld vorher noch mal nachgefragt zu haben ob Hunde auf dem Congress denn auch in Ordnung gingen, und uns versichert worden war, dass das bisher immer O.K. gewesen sei.

Wonko unterhielt sich derweil mit seinem breites schwäbisch sprechenden Schlangennachbar, Typ “Informatiker Bei Muttern” (IBM) über den Überwachungswahn und über die §§219ff. und 202 StGB, und darüber daß es Wonko ankotzt daß sich noch nicht mal “sein” Staat an seine eigenen Gesetze halte. Etwa eine Stunde lang mussten “wir” so anstehen.

Wach- und Sicherheitsdienst auf dem CCC

Beim Herumlaufen waren mir schon die beiden im Vergleich zum sonstigen Publikum eher etwas gesetzter aussehenden Herren im Eingangsbereich aufgefallen. Sie trugen rote Sweatshirts mit dem Aufdruck “B.E.S.T. Security Team”. Irgendwie sahen die ein Bißchen nach Wachpersonal aus. Mir war zuerst nicht ganz klar gewesen ob das nun ein practical joke sein sollte, oder ob es sich um ein Spiel mit Symbolen handelte: Vielleicht kopierte ja hier eine Hackergruppe absichtlich den Stil eines Wachschutz-Unternehmens, um auf die förderliche Rolle des Hackens für die allgemeine öffentliche Sicherheit hinzuweisen? - Vielleicht sogar ein klein Bißchen selbstironisch, um zu zeigen daß man dem gesellschaftlichen Sicherheitsdiskurs zwar kritisch gegenübersteht, aber die eigenen (IT-)Sicherheits-Diskurse oft ebenso paranoid führt wie Herr Schäuble und Co.?

“Das Haus” und der Hund, pt. 1

Aber weit entfernt von solchen gedanklichen Finessen handelte es sich schlicht um ganz echte Privatpolizei Securities. Etwas was ich auf dem CCCongress bisher eigentlich für unmöglich gehalten hatte. — Und einer von diesen kam denn dann auch auf uns zu und belehrte uns daß Hunde auf dem Congress leider nicht erlaubt seien. “Heute”, so sagte er allerdings: “ist es was anderes. Heute geht’s noch. Sie müssen hier ja auch noch eine knappe Stunde anstehen. Heute dürfen sie den Hund schon noch da lassen. Aber morgen dann nicht mehr.”

Wir waren ziemlich enttäuscht, erklärten aber unser Einverständnis den Hund morgen nicht mehr mitzubringen. Wenn wir das gewußt hätten, dann hätten wir Nina einfach daheim gelassen wo sie Betreuuung und Gesellschaft genug gehabt hätte und schwer vermisst wurde. Aber so war es nun erst mal. Wir wollten auch später noch mal mit den Verantwortlichen sprechen, ob man nicht vielleicht doch noch eine Lösung finden kann wie Nina auf dem Kongress sein kann, z.B. weil sie ja einen festen Platz am Bücherstand hat… Mal überlegen…

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