Als auf ihre Privatsphäre bedachte Surferin greife ich ausschließlich per TOR-Netzwerk auf Google zu, und verbiete dem Dienst sowohl die Verwendung von Scriptsprachen (Java, JavaScript) als auch das Setzen von Cookies. Außerdem unterbindet Privoxy für mich die Angabe eines Referrers und verschleiert User-Agent und Betriebssystem. Vor Googles Datenkrakerei sollte ich so ziemlich sicher sein.

Soweit, so gut.

In letzter Zeit jedoch bekomme ich immer häufiger die folgende Meldung zu sehen, wenn ich etwas auf Google suche:

Es tut uns Leid,

… aber Ihre Abfrage kann momentan nicht verarbeitet werden. Ein Computervirus oder eine Spyware-Anwendung sendet uns automatische Abfragen zu und es scheint, dass Ihr Computer bzw. Ihr Netzwerk infiziert wurde.

Wir werden Ihren Zugriff schnellstmöglich wiederherstellen, also probieren Sie es bald noch einmal. In der Zwischenzeit empfehlen wir Ihnen, anhand eines Virenscanners oder Spyware-Entferners zu überprüfen, dass auf Ihrem Computer kein Virus oder andere Störsoftware vorhanden ist.

Wir entschuldigen uns für eventuell entstandene Unannehmlichkeiten und hoffen, dass Sie bald wieder bei Google vorbeischauen.

Bei anderen Suchmaschinen wie mamma (die Mutter aller Suchmaschinen), altavista (das war früher mal die beste, ein ehemaliges Prestige-Projekt von dec) oder MetaCrawler (benutzt andere Suchmaschinen) habe ich immer irgendwie den Eindruck dass die Suchergebnisse nicht so gut sind wie bei Google. – Oder sind das nur meine Vorurteile?

Was also tun? Scroogle bietet einen Proxy-Dienst für Google, den Scroogle Scraper. Über diese Krücke geht es dann wieder. Und es gibt sogar eine SSL-Version. Gut. So können nicht mal mehr irgendwelche Exit-Node-Betreiber mitschnüffeln. Ich frage mich an dieser Stelle bloß warum Google die Scroogle-Nodes nicht auch als Spyware rausfiltert.

Aber von dieser praktischen Frage ganz abgesehen: Warum tut Google das? Dass Google weiß was TOR ist und wie man an die Liste der Exit-Nodes kommt, kann man wohl ausgehen. Dass hier also ahnungslos einfach nur IPs geblockt werden über die ungewöhnlich viele Suchanfragen eingehen, kann mithin so gut wie ausgeschlossen werden. Außerdem gibt es ja auch große ge-firewall-te Firmennetzwerke wo tausend oder mehr Clients per NAT über eine einzige IP ins Internet gehen und Suchanfragen schicken. Auch hinter solchen Riesen-NATs hatte ich bisher nie Probleme Google zu erreichen. Ist es also wirklich so, dass Googles Netzwerke unter Attacken von Würmern und Spyware zusammenzubrechen drohen, und man daher den anonymen Zugang zu der Suchmaschine blockieren muß?

Oder wird hier einfach offenbar, was im Grunde jeder weiß, der sich schon mal mit dem googleschen Geschäftsmodell beschäftigt hat? — Dass nämlich die Benutzung der Suche gar nicht kostenlos ist, sondern wir mit unseren – oft sehr privaten – Daten dafür bezahlen. Bei jedem Besuch der Google-Homepage. Bei jeder Webseite auf der AdSense-Anzeigen geschaltet sind, oder die GoogleAnalytics verwendet, und so weiter… Und das sind immer mehr.

Vielleicht will man ja auf diese Art auf der geforderten Bezahlung bestehen, ohne jedoch sein Image als “gute” Company zu verlieren? (Google-Firmenmotto: “Don’t be evil!”) — Denn wer sich gegen böse Viren und noch viel bösere Spionage-Software schützen muß hat natürlich sofort unser Mitgefühl und unser Verständnis. Ein Spion jedoch, der so tut als ob er es ehrlich mit uns meint, uns jedoch flugs die Zusammenarbeit kündigt, sobald wir ihm nicht mehr nützlich sind, den würde man wohl anders ansehen.

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6 Antworten auf “Google vs. TOR?”

  1. Loona schreibt:

    P.S.: Google erbietet inzwischen auch den TORisten wieder seine Dienste: Man muss nur so ein Kunterbuntebuchstabendurcheinandererkenne-Kaestchen-Dingsbums ausfuellen. :-) Puh!

  2. Sascha schreibt:

    Ohne gleich eine Verschwörung wittern zu wollen kann ich mir durchaus sehr gut vorstellen, dass Spammer etc. das TOR Netzwerk für ihre Zwecke missbrauchen.
    Da man, wenn man wie Google hunderte von Rechnern schützen muss, auf automatische Systeme setzt passiert das dann auch Recht schnell, dass so eine IP eines Exitnodes in der Blockliste landet.
    Wenn man sich mal den ganzen Müll anschaut, der aus so einem Node rauskommt fragt man sich sowieso wem man da am meisten hilft ;)

  3. Loona schreibt:

    Ohne gleich eine Verschwörung wittern zu wollen

    Verstehe ich in dem Zusammenhang jetzt nicht.

    kann ich mir durchaus sehr gut vorstellen, dass Spammer etc. das TOR Netzwerk für ihre Zwecke missbrauchen.

    Naja klar. Auch “böse Buben” bleiben gerne unbeobachtet.

    Da man, wenn man wie Google hunderte von Rechnern schützen muss, auf automatische Systeme setzt passiert das dann auch Recht schnell, dass so eine IP eines Exitnodes in der Blockliste landet.

    Gegen eine “human test” habe ich auch nicht unbedingt etwas. Die jetzige Lösung mit den Captchas gefällt mir an sich ganz gut.

    Bloß den Service für anonyme Nutzer ganz einzustellen finde ich — bei der marktbeherrschenden Stellung Googles — ziemlich problematisch.

    Wenn man sich mal den ganzen Müll anschaut, der aus so einem Node rauskommt fragt man sich sowieso wem man da am meisten hilft ;)

    Was bin ich froh daß ich als i2p-Node-Betreiberin nicht sehen kann was “meine” User so durchrouten. Besser so. :-)

  4. Loona schreibt:

    Leider haben sie das Captcha (=Kunterbunte-Buchstaben-durcheinander-erkenne-Kästchen-Dingsbums) jetzt wieder entfernt, und man guckt als TOR-Benutzer bei Google wieder in die Röhre. Na denn halt wieder den Scroogle Scraper benutzen.

  5. Tomato schreibt:

    Das ist eigentlich ganz einfach mit Google: Es muss nur ein Tor-User entsprechende Spyware oder einen Crawler auf seinem Rechner besitzen, der Google über einen Exit-Node mit Suchanfragen bombadiert. Schon ist diese IP für 24 Stunden bei Google geblockt. Das ist kein spezieller TOR-Block von Google.

    Steht übrigens auch in der FAQ von Tor…

  6. Loona schreibt:

    Ah! Interessant! Danke!
    Hast Du die URL bei der Hand?

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