Hier will ich etwas verspätet meine Eindrücke vom 24C3, also vom 24. Chaos Communication Congress berichten. Der fand nämlich auch dieses Jahr wieder “zwischen den Jahren” in Berlin am Alexanderplatz zu Füssen des (Ost-)Fernsehturms mit einem umfangreichen Programm statt. Da das etwas umfangreicher ausfällt habe ich es in mehreren Teilen getan.
Vom 27. bis zum 30.12.2007, also vier Tage, dauerte diesmal das bundesweite Jahrestreffen des Chaos Computer Club. Dort gab es unter anderem an die 100 Vorträge zu Computer- und Gesellschaftsthemen, das traditionelle HackCenter, und zwei “Lounges” zum abhängen. Nachdem wir es letztes Jahr vor lauter Streß nicht zum CCCongress geschafft haben waren wir dieses Jahr wieder dabei.
Ich hatte mich schon Wochen vorher sehr darauf gefreut, das Programm studiert und mich auf dem einen oder anderen Vortrag vorbereitet.
Meine Gesamtstimmungslage war die letzten Wochen wie das Wetter ziemlich dunkel gewesen. Dicke, schwarze Depression und Ängste vom Feinsten… Nicht nur das Wetter war mir auf die Stimmung geschlagen, vor allem die politische Großwetterlage der letzten Monate mit Paranoia-Themen wie Vorratsdatenspeicherung, Flugpassagierdaten-Retention, u.s.w. hatte mich beeinflußt.
Diesmal waren wir schlau, und kamen schon am Vortag, dem 26.12., damit wir nicht wieder so lange Schlange stehen müssten. Als wir am Congress-Center ankamen mussten wir feststellen daß diese glorreiche Idee diesmal wohl richtig viele Leute gehabt hatten: Die Schlange reichte fast durch’s ganze Erdgeschoß. Tapfer stellten wir uns an. Das heißt: Wonko stellte sich an, und ich erforschte schon mal ein Bißchen das Congress-Gebäude und kehrte immer wieder zu ihm zurück um zu sehen wie weit er in der Zwischenzeit voran gekommen war und ihm von meinen Erlebnissen zu erzählen.
Eine Stunde lang in der Schlange zu stehen wäre für meinen kleinen Hund Nina dann wohl auch zu viel gewesen. Wir hatten Nina dieses Jahr mit zum Congress gebracht. — Nicht allerdings ohne im Umfeld vorher noch mal nachgefragt zu haben ob Hunde auf dem Congress denn auch in Ordnung gingen, und uns versichert worden war, dass das bisher immer O.K. gewesen sei.
Wonko unterhielt sich derweil mit seinem breites schwäbisch sprechenden Schlangennachbar, Typ “Informatiker Bei Muttern” (IBM) über den Überwachungswahn und über die §§219ff. und 202 StGB, und darüber daß es Wonko ankotzt daß sich noch nicht mal “sein” Staat an seine eigenen Gesetze halte. Etwa eine Stunde lang mussten “wir” so anstehen.
Beim Herumlaufen waren mir schon die beiden im Vergleich zum sonstigen Publikum eher etwas gesetzter aussehenden Herren im Eingangsbereich aufgefallen. Sie trugen rote Sweatshirts mit dem Aufdruck “B.E.S.T. Security Team”. Irgendwie sahen die ein Bißchen nach Wachpersonal aus. Mir war zuerst nicht ganz klar gewesen ob das nun ein practical joke sein sollte, oder ob es sich um ein Spiel mit Symbolen handelte: Vielleicht kopierte ja hier eine Hackergruppe absichtlich den Stil eines Wachschutz-Unternehmens, um auf die förderliche Rolle des Hackens für die allgemeine öffentliche Sicherheit hinzuweisen? - Vielleicht sogar ein klein Bißchen selbstironisch, um zu zeigen daß man dem gesellschaftlichen Sicherheitsdiskurs zwar kritisch gegenübersteht, aber die eigenen (IT-)Sicherheits-Diskurse oft ebenso paranoid führt wie Herr Schäuble und Co.?
Aber weit entfernt von solchen gedanklichen Finessen handelte es sich schlicht um ganz echte Privatpolizei Securities. Etwas was ich auf dem CCCongress bisher eigentlich für unmöglich gehalten hatte. — Und einer von diesen kam denn dann auch auf uns zu und belehrte uns daß Hunde auf dem Congress leider nicht erlaubt seien. “Heute”, so sagte er allerdings: “ist es was anderes. Heute geht’s noch. Sie müssen hier ja auch noch eine knappe Stunde anstehen. Heute dürfen sie den Hund schon noch da lassen. Aber morgen dann nicht mehr.”
Wir waren ziemlich enttäuscht, erklärten aber unser Einverständnis den Hund morgen nicht mehr mitzubringen. Wenn wir das gewußt hätten, dann hätten wir Nina einfach daheim gelassen wo sie Betreuuung und Gesellschaft genug gehabt hätte und schwer vermisst wurde. Aber so war es nun erst mal. Wir wollten auch später noch mal mit den Verantwortlichen sprechen, ob man nicht vielleicht doch noch eine Lösung finden kann wie Nina auf dem Kongress sein kann, z.B. weil sie ja einen festen Platz am Bücherstand hat… Mal überlegen…
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