Autor: Sabine

planlos

Wohin soll es denn gehen? Malthema? Unklar! Ins Unbekannte, nur mal probieren. Möglichst wenig wollen. Mit der Musik loslaufen lassen, die Linien. Augen zu. Hand-Arm-Bewegung übersetzt Rhythmen und Töne. Sich darin vergessen. Das Bild vergessen. Wenn es still wird: Hinschauen und weiter malen, was es werden will….

„Welcome to the land of enlightenment“

Das steht auf vielen großen, kitschig grellen Plakaten auf dem Weg nach Bodhgaya. Überraschenderweise wird damit Werbung gemacht für ein internationales Frauen-Hockey-Turnier. Wir landen in Bodhgaya mehr durch Zufall, weil das Dorf direkt neben Gaya liegt. Und das wiederum war der Ort, zu dem es noch Zugtickets gab. Dann stellt sich raus: es ist einer der wichtigsten Pilgerorte für die Buddhisten auf der ganzen Welt. Oh! Also hochgradig bedeutungsvoll! Also deswegen „enlightening“? Wie bitte darüber schreiben? Klappt nicht auf einmal, deswegen eine Annäherung in drei Wellen: 1. Schnuppern Am ersten Nachmittag werden wir von einem Elektro-Tuktuk-Fahrer von Tempel zu Tempel gebracht. Auch wenn die Gebäudeformen unterschiedlich aussehen, der Ablauf ist immer derselbe: vor dem Eingang Schuhe ausziehen, dann führt ein gepflasterter Weg zum eigentlichen Tempelbau. In der Mitte des Raums sitzt eine Buddha-Statue in Gold und bunten Farben, mit Ornamenten verziert und Opfergaben drumzu. Wir stehen still und staunen und wissen noch nicht so recht… Wo sind Anknüpfungspunkte? Wie lässt sich überhaupt eine Annäherung bewerkstelligen? Der Reiseführer gibt äußere Daten her… aber was ist dieses …

Um die Ecke: der Markt

4,5 Millionen Menschen wollen täglich mit Nahrung versorgt werden in Kolkata. Diese Größenordnung finde ich schwer vorstellbar. Wie soll das gehen? Es ist ja keinesfalls so, dass es in der Stadt oder an den Ausfallstraßen große oder überhaupt Supermärkte gäbe wie bei uns, sondern hier wird fast alles Lebensnotwendige auf den Märkten eingekauft, die es in jedem Viertel gibt. Nur noch mal als Vorstellungshilfe zur Größe Kolkatas: es gibt 144 durchnummerierte Wards (Stadtteile) mit 18.000 – 100.000 Bewohner:innen. (Den Wiener:innen unter uns dürfte das vertraut sein, an der Nummer des Stadtteils weiß man sofort, woher jemand kommt.) Natürlich mögen wir den Markt bei uns um die Ecke im Ward 51 besonders gern. Ab circa 6:00 Uhr, wenn es hell hier wird, werden die Plätze aufgebaut. Stände gibt es nie, die Ware wird auf dem Boden ausgebreitet, oft liebevoll sortiert und gestapelt. Ein Fest fürs Auge, so viele leuchtende Farben, so viel frisches Grün! Und natürlich ganz schön viele Fragezeichen? Was sind das für Gemüsesorten, die da neben den Auberginen, Gurken und Blumenkohlen liegen? Da muss …

Zimtapfel und Varianten

Es gibt diesen kleinen Tisch in unserer zweiten Wohnung in Kolkata, an dem ich meine Malutensilien ausgebreitet habe. Und es gibt jeden Tag Zeit zum skizzieren, malen und ausprobieren. Und dann war da dieser leckere Zimtapfel, eine Frucht, die ich noch nicht kannte. Sie ist etwa faustgroß. Die Außenhaut fühlt sich leicht rau an und die ein bisschen wie ein Pinienzapfen aussehende Frucht muss leicht nachgeben auf Druck, dann ist sie reif. Ordentlich gemalt sieht es dann so aus: … und dann ist da noch die Lust, auf Varianten, beidhändig gezeichnet.

Diwali

Seit Tagen wird das Lichterfest vorbereitet. Überall! Die Bambusgerüste für die „Pandals“ bekommen Verkleidungen aus Stoff oder dünnen Brettern. Verzierungen, Blumen und vor allen Dingen die Beleuchtung kommen dazu. Und tatsächlich hat jede Straße, jedes Viertel seine eigenen Pandals gebaut: Zu Diwali kommen die Familien zusammen und schmücken ihre Häuser mit vielen Lichtern, die vor die Tür oder ins Fenster gestellt werden. Dabei gibt es heute alle Varianten: von der traditionellen Tonschale als Öllämpchen bis hin zur schnell getakteten grellbunten Lichterkette ist alles zu finden. Gefeiert wird der Sieg des Guten über das Böse in der Welt – auch der Sieg des Lichts über die Dunkelheit… Ein Fest in ganz Indien, aber je nach Region werden dabei unterschiedliche Göttinnen und Götter aus dem reichen hinduistischen Himmel geehrt. In Kolkata ist es die schwarze Kali. Sie gilt als die Göttin des Todes, der Zerstörung und der Erneuerung. Der Mythos erzählt, dass sie als Verkörperung des Zorns aus der Stirn der Göttin Durga entsprungen sei und dann das Weltall mit ihrem schrecklichen Brüllen erfüllt hat. In jedem …

green salad…

Über das Zweitwichtigste haben wir bis jetzt noch nicht geschrieben, aber jetzt! Natürlich gab es „Spannungen“ zwischen uns, wer darüber schreiben darf… die Lösung war dann nach ein paar mißtönigen Bemerkungen einfach: wir schreiben beide. Wichtige Frage: Wo gibt es gutes Essen? Wo sind die Restaurants? Anfangs waren sie gar nicht so leicht zu entdecken, unscheinbare Türen oder Treppen in den ersten Stock… dafür aber ganz unmittelbar sichtbar: die unzähligen Garküchen am Straßenrand. Und dann bestellen: Die wunderschöne Alphasyllabar-Schrift können wir nicht lesen und in den Garküchen gibt es meist überhaupt keine Karte. Das indische Englisch klingt für uns oft wie eine unverständliche Fremdsprache und anfangs wussten wir auch die Namen der Gerichte nicht. Also bleibt die Verständigung durch einen Fingerzeig auf den Teller des Gastes am Nebentisch – verbunden mit einem Nicken: das möchte ich auch – eine gute Variante. Auf diese Weise kamen wir zu unserem ersten indischen Frühstück: Parathas = gebackene Brotfladen mit ein bisschen Kartoffelcurry. Herrlich! In jedem noch so kleinen Restaurant gibt es in einer Ecke ein Waschbecken, bevor man …

Fremd sein 1: grundsätzlich

Ist ja klar, wie soll es anders sein, wenn wir in einem fernen Land ankommen… alles neu, so viele Eindrücke, Fragen und Anforderungen. Jep, fühlt sich nicht immer gut an, das Fremdsein. Nicht zu wissen, wie so etwas selbstverständliches wie Busfahren geht. Oder wo Toiletten zu finden sind. Aber auch: immer auffallen in den Straßen als Fremde, nicht sicher fühlen, wie Blickkontakt sein kann oder Begegnung. Oder basal: was es hier zum Frühstücken gibt und so weiter… Wie die eigene Resonanz dazu ist? Ich bin überrascht, wie sehr ich hier unentwegt nach Orientierung suche, um nur nicht ausgeliefert zu sein oder verloren zu gehen in dieser fülligen Fremde. Und deswegen keine Gelegenheit auslasse, mir vertraute Momente zu schaffen. Wie das geht? Indem Tho und ich ein zweites Mal durch die gleiche Straße gehen, indem wir denselben Obsthändler aufsuchen, der uns beim letzten Mal schon so prachtvolle Zimtsäpfel verkauft hat und sich an uns erinnert. Genauso wie der Wirt des Straßenimbiss, bei dem wir abends essen. Was auch hilft: mich auf Google Maps immer wieder versichern, …

werden & vergehen 1

Es geschieht an den großen Straßen, in kleinen Seitengassen oder an Straßenecken. Nicht immer ist klar, ob es sich um den Aufbau oder den Abbau handelt, meist sind mehrere Männer beteiligt. Das Material ist einfach: Bambus und bunte Bänder. Beides wird auf ebenso schlichte wie geniale Weise miteinander verbunden, so dass eine unglaubliche Vielzahl an Bühnen, Baldachinen oder Gebäuden entstehen kann. Als wir am ersten Tag mit dem Taxi vom Flughafen nach Kolkata fuhren, haben wir uns gewundert, warum entlang der Straßen diese großen Gerüste aufgebaut waren, warum es große, knallbunt leuchtende Tempel gab, die keinerlei Anzeichen von Verfall zeigten, während nebendran alle Gebäude gerade mal mit morbidem Charme glänzen konnten. „Durga Puja“ war dann des Rätsels Lösung. Das jedes Jahr Anfang Oktober stattfindende Fest zur Ehren der Göttin Durga ist in Kolkata sogar das wichtigste Fest des Jahres. Wikipedia befragt: Durga wird als mütterliche Figur gesehen und oft als schöne Frau dargestellt, die auf einem Löwen oder Tiger reitet, mit vielen Armen, von denen jeder eine Waffe trägt, und die Dämonen besiegt. Das Fest symbolisiert …

Wenn es leise wird…

in dieser Stadt, dann kann es daran liegen, dass man unverhofft in „Old Calcutta“ gelandet ist. Es ist nach den lauten Hauptstraßen unfassbar wohltuend durch diese schmalen Gassen zu laufen, durch die nur Menschen gehen und gelegentlich Fahrräder oder Lastenräder rollen. Dass es das hier gibt… und dazu wirkt es für Kolkata- Verhältnisse irgendwie geordnet, ja sogar schön! Die Gebäude wurden meist Anfang des 20. Jahrhunderts im Kolonialstil gebaut. Teilweise tragen sie die Spuren ihres Alters deutlich, aber mit Charme, an manchen Stellen sieht man sie neu gestrichen oder sogar saniert. Die Bewohner scheinen ihr Viertel auch zu mögen. Während wir morgens durch die Gassen laufen, liegt der vom Vortag angefallene Müll schon zu Haufen zusammen gekehrt am Rand und wartet darauf, von den Lastenräder-Müllmännern mitgenommen zu werden. Natürlich gibt es auch in diesem Viertel an jeder Ecke einen Teestand. Der Chai wird auf einem kleinen Kohleofen gekocht, der würzige Duft nach Zimt und Nelken lädt schon von weitem zu einer Pause ein. Auf einer Bank sitzend, trinken wir den Chai mit Milch aus kleinen …

Musik & malen

Zum ersten Mal besitze ich Kopfhörer mit Rauschunterdrückung. Das ist der absolute Hauptgewinn, um immer wieder abtauchen zu können aus dem Lärm. Dann Musik, Stifte, Farben, ein Blatt und zur Abwechslung eine entspannende Form der Gleichzeitigkeit, wenn die Hände nichts anderes tun, als sich zu den Klängen und Rhythmen zu bewegen. Überhaupt, etwas entstehen lassen können, nicht zu wissen, wohin die Reise geht. In der Improvisation die Mischung zwischen Zufall und Absicht ausloten. Zwischen Bedeutung und Bedeutungsfreiheit das Spielfeld erkunden und sich überraschen lassen…. https://open.spotify.com/track/3EMmOgFgqAQtAR3QyV3imx?si=Uq-qnN8lRpeYHgaxWXdAtA https://open.spotify.com/track/5bYP0AOeCO9W40uVfTARGh?si=2dIJvBMOSd-pewM4p_eGNg https://open.spotify.com/track/3jhtHLG2oTrcG4mQMc46KQ?si=Zos9LD8vR-KlRBl6UMfkjw