Im Zentrum von Hanoi verändert der Tourismus gerade das Gesicht der Stadt. Es wird zunehmend chick und hipp, glatt und teurer. Die Tourist:innen navigieren sich mit ihren Handys durch die Stadt, von hot spot zu hot spot, dabei immer in der Gefahr gegen den nächsten Lichtmast zu laufen. Das obligatorische Ritz-Charlton öffnet demnächst und diese mit Werbung beklebten Touristenzüge tingeln auch schon durch die Straßen mit quäkenden, aufgezeichneten, englischen Erläuterungen zum „See des zurückgegebenden Schwertes“. Und alle pilgern zu der berühmten, weil instagrammable, kurzen Bahnstrecke, wo die Züge durch die engen Gassen knapp an den Cafés vorbeifahren. Mittlerweile wegen Überfüllung allerdings problematisch. Aber nicht nur der Tourismus schlägt zu. Das kommunistische Vietnam befindet sich seit längerem in einer enormen wirtschaftlichen Wachstumsphase ähnlich dem ehemaligen chinesischen Modell. In Kürze: Wohlstand ohne Freiheit, so ist der Deal. In der Rangliste der Pressefreiheit liegt das Land auf den letzten Plätzen. Aber sie sind alle da: Gucci, Apple, KFC schon länger, Uniqlo, Shoppingmalls… Auffallend und nicht überraschend die vielen deutschen Limousinen der Oberklasse, die von den chinesischen Konkurrenz bekommen. …